Die Redensart «stumm wie ein Fisch» täuscht: So wie es an Land natürliche Geräusche – das Rascheln der Blätter oder das Prasseln des Regens – gibt, sind auch die Meere und Ozeane voll von Geräuschen: Vom Hin-und-Her-Schwappen des Seetangs über Fressgeräusche bis zur Kommunikation der Tiere untereinander gibt es eine natürliche Klanglandschaft.
Diese wird massiv übertönt durch Lärm, der beispielsweise durch das Rammen von Pfählen für Bohrplattformen und Windturbinen, durch Schallkanonen, mit denen nach Ölvorkommen gesucht wird und vor allem durch die Schifffahrt. MeeresbiologInnen warnen, dass der Unterwasserlärm das Leben in den Ozeanen massiv stört. Betroffen sind nicht nur die oft genannten Orientierungssysteme der Wale, sondern auch Kleinstlebewesen. So hat die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel herausgefunden, dass unter Lärm im Wasser treibende Kleinstkrebse weniger Nahrung aufnehmen.
Solche Folgen menschlicher Einflüsse auf die für Normalmenschen unsichtbaren Systeme haben oft besonders weitreichende Folgen, tauchen jedoch in der politischen Diskussion nicht auf. So sind diese Krebse ein wichtiger Teil der Nahrungsketten für grössere Meerestiere. Am Ende dieser Nahrungsketten steht nicht zuletzt der Mensch.
Segelfrachter, die ihre Maschine, die sie für Hafenmanöver verwenden, auf See ausschalten, würden wesentlich zur Reduktion des schädlichen Krachs beitragen. In der nachfolgenden Infografik ist für eine bezüglich Meereslärm gut gemanagte Zukunft auch ein zentraler Punkt genannt: Weniger Seetransport.
Die Grafik zeigt die Schritte vom fast unberührten Ozean über den aktuellen Krach. In einem zweiten Schritt zeigt sie eine besser oder schlechter gemanagte Zukunft.
Koalition gegen Ozeanlärm – die Schweiz fehlt
An einer Ozeankonferenz hat sich eine Koalition der «Hoch Ambitionierten» gebildet, die das Problem angehen wollen. Mitglieder sind unter anderem die meisten Staaten der EU. Die Schweiz als bezüglich Tonnage sechstgrösste Seefahrtnation fehlt. Unter anderem stammt die grösste Container-Reederei, die MSC, aus der Schweiz. Containerschiffe machen besonders viel Krach. Einerseits fahren sie schnell. Zudem machen die zu Tausenden geladenen Blechkisten, wenn das Schiff sich im Seegang bewegt, permanent Lärm.
Hier die Erklärung der «Koalition der hoch Ambitionierten». Sie ist ein Anfang. Jedoch wird die Praxis zeigen, ob sie auch positive Folgen hat. Und die dringende Reduktion der Seefahrt, indem wir per Transformation aus der Verschwendung aussteigen, wird nicht erwähnt.
Hochambitionierte Koalition für einen ruhigen Ozean
Ein gesunder, lebendiger und widerstandsfähiger Ozean ist voller natürlicher Geräusche von Meereslebewesen, die eine beeindruckende Vielfalt an Lauten und Rufen nutzen, um zu kommunizieren, Nahrung zu finden und sich in ihrer aquatischen Welt zurechtzufinden.
Heute sind diese wichtigen biologischen Geräusche regelmässig Gefahr, von vom Menschen verursachten Meereslärm übertönt zu werden, was die marine Biodiversität und Ökosysteme schädigt, zur Biodiversitätskrise beiträgt und die Widerstandsfähigkeit des Ozeans gegenüber dem Klimawandel verringert. Darüber hinaus nimmt der Meereslärm aufgrund der anhaltenden Ausweitung der globalen Schifffahrt und der Entwicklung der Meeresindustrie weiter zu.
Trotz dringender Aufrufe zum Handeln seitens internationaler Gremien, darunter das Übereinkommen über die biologische Vielfalt, die Internationale Union für Naturschutz, die Internationale Walfangkommission und das Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten, sowie seitens Meereswissenschaftlern und der Zivilgesellschaft, sind die Fortschritte bei der Bekämpfung von Meereslärm begrenzt.
Angesichts unserer Verpflichtung, die dreifache planetarische Krise – Verlust der biologischen Vielfalt, Umweltverschmutzung und Klimawandel – einzudämmen, sind sofortige Massnahmen erforderlich. Glücklicherweise stehen Strategien, Technologien und Instrumente zur Verfügung, mit denen Unterwasserlärm reduziert werden kann.
Als führende Politiker, die sich für den Schutz der Gesundheit der Ozeane und der marinen Biodiversität einsetzen, fordern wir unsere Kollegen in aller Welt auf, sich uns anzuschließen und ehrgeizige und praktische Lösungen zu fördern, die zu einem ruhigeren Ozean führen, darunter:
• Entwicklung neuer Richtlinien zur Förderung der Konstruktion und des Betriebs leiserer Schiffe bei der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO). Unterwasserlärm durch die Schifffahrt ist weltweit der Hauptverursacher von Lärmbelästigung in den Ozeanen. Wir müssen bei der IMO zusammenarbeiten, um auf den aktuellen Fortschritten aufzubauen und Richtlinien zu entwickeln, mit denen wir unsere Vision einer globalen Schiffsflotte verwirklichen können, die sowohl CO2-frei als auch leise ist.
• Einrichtung von Meeresschutzgebieten, die den Schutz und die Wiederherstellung der natürlichen Geräuschkulisse der Ozeane berücksichtigen. Wir haben uns verpflichtet, bis 2030 mindestens 30 % der Weltmeere wirksam zu schützen, und wir laden alle Staaten, relevanten internationalen Organisationen und multilateralen Gremien ein und ermutigen sie, Massnahmen zur Reduzierung der vom Menschen verursachten Meeresgeräusche zu ergreifen, wenn sie Meeresschutzgebiete und andere wirksame gebietsbezogene Managementmassnahmen konzipieren und umsetzen.
• Untersuchung und Umsetzung wirksamer Lösungen zur Verringerung der Auswirkungen von Schiffen auf empfindliche Meeresfauna. Es gibt viele mögliche Massnahmen zur Reduzierung schädlicher Lärmpegel im Meer, die auch weitere Vorteile für die Umwelt mit sich bringen können. Diese Massnahmen können eine Verringerung der Schiffsgeschwindigkeit, eine Umleitung der Schifffahrtsrouten sowie technische oder betriebliche Verbesserungen umfassen und je nach den Umständen unterschiedlich wirksam sein.
• Unterstützung des Kapazitätsaufbaus zur Bewertung und Reduzierung von Meereslärm durch den Austausch verfügbarer Instrumente und Kenntnisse, einschliesslich der Instrumente, die derzeit von der GloNoise-Partnerschaft der IMO entwickelt werden.