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Gespeichert von d.haller am

 

Segeln wir einige Tonnen Fracht über den Atlantik und begegnen vor Rotterdam den grossen Schiffen, die das Zigtausendfache transportieren, dann fühlt man sich als ganz kleiner David der einem System von Goliaths gegenübersteht. Dabei weht am Heck der Tres Hombres und anderer Segelfrachter die Flaggte von Vanuatu. 

Einer der Gründe ist, dass der kleine Pazifikstaat als einziger erlaubt, Fracht auf einem hölzernen Schiff ohne Motor zu befördern. Doch hinzu kommt zunehmend der Stolz auf diese Flagge, denn Vanuatu profiliert sich als Vorkämpfer gegen den Klimawandel: Eine Gruppe von Jugendlichen begann 2019 an der Universität von Port Vila, dem offiziellen Heimathafen der Tres Hombres, eine Kampagne, die 2025 in einem wichtigen Gutachten des höchsten Gerichts der UNO mündete. 

Das macht Mut: Auch kleine Gruppen von der Basis können mit Mut und Beharrlichkeit grosse Prozesse in Gang setzen – also sind auch unsere kleinen David-Schiffe vielleicht gegen die Goliaths nicht verloren...

 

Ein gefährdeter Staat

Hitzewellen, Überflutungen, Tropenstürme: Vanuatus rund 270 000 Einwohnerinnen leiden unter der Klimaerhitzung. Vanuatu gilt als eines der am stärksten gefährdeten Länder der Erde. Der steigende Meeresspiegel bedroht die flachen Inseln, deren BewohnerInnen ihre Heimat verlieren. 

So wurde die Initiative der StudentInnen von der Regierung Vanuatus aufgegriffen. Zusammen mit acht weiteren Inseln im Pazifik und der Karibik, die unter der Klimakrise – zu deren Ursachen sie notabene praktisch nichts beigetragen haben – leiden, wandte sich Vanuatu an den Internationalen Seegerichtshof in Hamburg. Dieser bestätigte in einem einstimmig gefassten Gutachten: Die Emission von Treibhausgasen – egal wo – ist Meeresverschmutzung. Und diese ist gemäss UN-Seerechtskonvention verboten. 
 

Staaten sind völkerrechtlich zum Klimaschutz verpflichtet

Das ist Gesetz und somit verbindlich. Gemäss Seegerichtshof sind somit alle 170 Staaten, welche die UN-Seerechtskonvention unterzeichnet haben, verpflichtet, alles was möglich ist gegen den Ausstoss von Treibhausgasen zu tun. Weiter stellte der Internationale Seegerichtshof fest, dass Schäden, die bereits durch den von Menschen gemachten Klimawandel entstanden sind, repariert werden müssen. 

Zudem gelangten Vanuatu und die anderen Staaten der Kommission der kleinen Inselstaaten für Klimawandel und Völkerrecht (engl. Abk. COSIS) an die UNO-Vollversammlung. Diese unterstützte mehrheitlich und ohne Gegenstimmen das Anliegen, den Klimawandel vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen: Wozu sind Staaten im Kampf gegen den Klimawandel verpflichtet? Und was droht ihnen, wenn sie das nicht tun? 

Diesen Erfolg in der UN-Generalversammlung kommentiert Vanuatus Premierminister: «Ich feiere mit den Jurastudenten der Pazifikinseln, die als Erste bei der Regierung von Vanuatu für diesen Kampf geworben haben. Ich feiere mit früheren Regierungen und Führern von Vanuatu, die dem Ruf unserer Jugend gefolgt sind. Ich feiere mit der Zivilgesellschaft aus dem gesamten Pazifikraum und sogar aus der ganzen Welt, die uns während dieser Kampagne jeden Tag zur Seite gestanden hat.» 

Die Unterstützung durch die Zivilgesellschaft wird unter anderem im auf Youtube veröffentlichten Lied deutlich:

 

Der Internationale Gerichtshof kam im Juli 2025 einstimmig zum Schluss: Umweltschutz ist ein Menschenrecht. «Die kleinsten Staaten der Welt haben Geschichte geschrieben», kommentierte ein Vertreter von Pacific Islands Students Fighting Climate . «Junge Menschen auf der ganzen Welt haben sich engagiert, nicht nur als Zeugen von Ungerechtigkeit, sondern als Wegbereiter des Wandels.»
 

Vanuatus Forderung: Nichtverbreitungs-Vertrag für fossile Brennstoffe

«Wir fordern die Entwicklung eines Vertrags über die Nichtverbreitung fossiler Brennstoffe, um die Kohle-, Öl- und Gasproduktion im Einklang mit 1,5 ° C einzustellen und einen globalen gerechten Übergang für alle Arbeitnehmer, Gemeinschaften und Nationen zu ermöglichen, die von fossilen Brennstoffen abhängig sind», forderte 2022 Nikenike Vurobaravu, Präsident von Vanuatu vor der UN-Vollversammlung. Indirekt stellt er damit fossile Treibstoffe auf die Stufe von Atomwaffen, für die ein Nichtverbreitungs-Vertrag besteht. 

Weiter forderte er, den Ökozid vor dem Internationalen Strafgerichtshof unter Strafe zu stellen, ein Anliegen, das in der Schweiz beispielsweise Kyma Sea Conservation and Research vertritt. «Wir rufen die Staaten auf, sich der Gruppe von Nationen anzuschliessen, die vorschlagen, das Verbrechen des Ökozids in das Römische Statut aufzunehmen», sagte Vurobaravu. «Ein Handeln im Wissen um schwere und grossflächige oder langfristige Umweltschäden kann nicht länger hingenommen werden.»

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