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Reise 2022/2023

Vorfreude herrscht

Es hat mich wieder ergriffen, das Schiffsfieber. Langsam war die Sehnsucht weggeschlummert, die ich verspürte, seit ich im Mai vor zwei Jahren von Bord ging. Jenes Ziehen in der Brust, als ich vor einem Jahr über Facebook die Direktübertragung verfolgte, wie die ›Tres Hombres‹ in Den Helder den Weg in die Karibik unter den Kiel nahm. Nun packt es mich wieder. Doch diesmal fühlt es sich besser an, denn ich werde – wie vor drei Jahren – mit an Bord sein.
d.haller

Grenzen, Schrauben und Investoren

Den Helder, Sonntag, 6. November. Regen, Energie auf der Stufe «abgeschlafft». Auch die anderen, die auf der «Stella Maris» wohnen, hängen müde auf den Bänken. Soeben war ich beim Schiff. Die Rigger arbeiten auch am Sonntag, geschützt durch eine behelfsmässig aufgespannte Plane. Die Zeit drängt: Solange nicht alles stimmt im Rigg, kann ein motorloses Schiff nicht in See stechen. Das eine oder andere Detail am Innenausbau kann man auch auf See oder in einem Hafen noch erledigen (mit entsprechend Improvisations-fördernd beschränkter Auswahl an «richtigen» Schrauben, siehe untren).
d.haller

Endlich!

Den Helder, 17. November 2022, Vormittag: Vorgestern bin ich auf die «Tres Hombres» umgezogen. Vielleicht etwas früh, in der ersten Nacht war der «Duft» der frischen Farbe noch recht penetrant. Doch so konnte ich endlich meine Siebensachen an einem Ort konzentrieren. Den Seesack hatte ich auf dem Takelboden über der Metallwerkstatt am Pier, geschlafen habe ich auf der «Stella Maris», gegessen haben wir auf der «Earl of Pembroke», die kurz vor dem Abwracken steht. Nun sind wir also alle, die mitsegeln werden, auf unserem Schiff konzentriert. Gestern wurde der Laderaum fertig, die Bibliothek ist schon eingeräumt, der Tisch für die Seekarten ist montiert, die Kapitänin hat die Bordapotheke sortiert, eigentlich könnte es losgehen.
d.haller

Endlich Bordroutine

«Daniel!» – … – «Daniel!! Whatchchange». Wachwechsel. Wohl oder übel muss ich aufwachen. Licht an. Socken und die lange Thermo-Unterhose noch im Liegen anziehen und raus, durch den Navigationsraum aufs Klo im Heck. Die Backbordwache hat sich angewöhnt, mir die Tür zur Toilette aufzuhalten – eine Freundlichkeit, die ich bei Regen besonders schätze. Doch in dem engen Kämmerchen ist es bei Wind von Backbord, der den Regen horizontal durch die Türritzen treibt, auch nicht immer trocken. Also schnell zurück, fertig anziehen und im Ölzeug pünktlich zum Wachwechsel erscheinen. Der Zeitpunkt des Wachwechsels ist heilig, denn die abtretende Wache ist müde, will dahin, wo ich herkomme: in die Koje.
d.haller

Besondere Weihnacht und schnell über den Atlantik

Meine Hände kriege ich beim besten Willen nicht durchgezwängt. Eigentlich stand auf der Packung, dass der Anzug meiner Gewichtsklasse entspreche. Schliesslich kommt mir Tim zu Hilfe, der Arthur, der hier in La Palma das Schiff verlässt, als ersten Mate ersetzt: «Dann musst Du halt eine Übergrösse nehmen.» Ich schäle mich aus dem gelben Neopren heraus und versuche es mit dem roten Anzug. Da enden die Hände direkt in grossen Gummihandschuhen. Wie man damit den Reissverschluss so zuziehen soll, dass der Bart nicht eingeklemmt wird, ist das nächste Rätsel. Aber genau das ist der Sinn der Sinn der Übung: Falls wir wirklich – beispielsweise nach einer Kollision – das sinkende Schiff verlassen müssten, wäre keine Zeit für Anproben der richtigen Grösse.
d.haller

Von der «Ersten» in die «Dritte» Welt

Der Hafen von Marin entpuppte sich als eine riesige Marina. Yacht an Yacht, viele Katamarane, die mit all dem Wohnzimmer-Klimbim an Bord als schwimmende Wohnwagen viel zu schwer sind, um unter Segeln den Vorteil dieser in Polynesien entwickelten Bauweise nutzen zu können.
d.haller

Friedlich vor Anker bei Marie Galante

Die Fässer sind mit Sand geradezu paniert. Zuerst unschlüssig, welches wir nehmen sollen, drehen Remi und ich eins und lassen es den Strand hinunter rollen. Laut spritzend trifft es auf die erste Welle. Die Wucht der rund 270 Kilos treibt das Fass weiter ins Wasser. Wir hinterher, stossen es vom Ufer weg und versuchen, gleichzeitig die Flossen anzuziehen. Remi verliert eine, zufällig taucht sie im aufgewühlten Wasser neben mir auf. Ich wate zurück, setze mich in die leichte Brandung, schlüpfe in die Flossen und gehe rückwärts zum Fass. Gemeinsam ziehen wir es weiter hinaus. Langsam wird das Wasser tiefer. Ich versuche zu schwimmen, doch noch ist es nicht tief genug.
d.haller

Im Hafen der traurigen Hunde

Anne-Flore hatte eine grosse Skizze vom Stückgut-Hafen in Boca Chica in der Dominikanischen Republik gezeichnet. Wir sollten vor dem Bug eines Tankers einen Platz an der Pier bekommen, wobei unser Bugspriet dann über die Ecke hinaus in den Kanal zur Lagune ragen würde.
d.haller