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Ein emotionaler Augenblick: Nach fünf Monaten Rückkehr aus der Karibik.

Reise 2024

Zuerst direkt ans belgische Fischerfest?

Die Spannung wächst: Schafft es die Tres Hombres rechtzeitig nach Amsterdam? Heute Dienstag Vormittag (30. April) segelt sie nördlich von Le Havre im Ärmelkanal nach Osten. Die Geschwindigkeit über Grund ist auf weniger als 4 Knoten gesunken. Offenbar hat das Schiff die im Kanal starke Gezeitenströmung gerade gegen sich. Am Mittag wird Niedrigwasser erreicht, dann wechselt der Strom die Richtung und wird bis halb sechs hoffentlich für Schub sorgen.
d.haller

Schreckliche Nachricht, Trauer an Bord

Mittwoch im Hafen von La Rochelle. Wer an Bord ist, arbeitet: Der Laderaum muss für die am Freitag ankommende Fracht geputzt werden. Und an Deck gibt es immer etwas zu flicken. Dann heisst es, wir sollten alle an Steuerbord zusammen kommen. Kapitän Arthur berichtet: «Die Gallant gibts nicht mehr.» Das Schiff der französischen Blue Schooner Company ist südlich der Bahamas offenbar in eine Fallwind-Turbulenz geraten, gekentert und innerhalb einer halben Stunde gesunken. Von den acht Personen an Bord hat die Küstenwache per Helikopter sechs retten können. Ein Video aus dem Helikopter zeigt, dass die Crew noch Zeit gefunden hatte, die Überlebensanzüge anzuziehen. Diese halten im Wasser den Körper warm.
d.haller

Schnelle Reise nach La Rochelle

Nach dem Auslaufen von Blankenberge brachten wir mit überwiegend günstigen Winden den Ärmelkanal flott hinter uns. Kaum waren wir bei der Bretagne «um die Ecke» wurde das Wetter flau. Umlaufende und teilweise ganz einschlafende Winde zerstreuten die Befürchtung, wir könnten in La Rochelle zu früh ankommen.
d.haller

Improvisiert, aber von Herzen

Die Stimmung spaltete sich zusehends. Auf der einen Seite am Samstag ein Party mit Weinproduzenten mit ausgelassener Stimmung. Einer der Weinbauern spielte genial Akkordeon, ein altes Instrument, dem teilweise Knöpfe fehlen und der eine Umhänge-Riemen aus zusammengeknüpften Küchentüchern besteht. Damit brachte er uns alle ausgelassen zum Tanzen. Auf der anderen Seite die Gedanken an die gesunkene Gallant, an die Toten. Köchin Giulias Gesicht wurde von Tag zu Tag düsterer.
d.haller

Rasche Reise nach Kopenhagen

Drei Tage nach der improvisierten Gedenkfeier für die untergegangene Gallant verliessen wir den Hafen von La Rochelle. Die emotionale Last war etwas leichter, und wir konnten uns aufs Segeln konzentrieren. Gegen den Wind aus Nordwest kreuzten wir uns von der Küste frei. Auf See waren die Wellen zwar nicht hoch, aber kurz und steil. Das Schiff stampfte, das Vorschiff bäumte sich auf und tauchte ab, ab und zu erreichte die vertikale Bewegung rund fünf Meter. Unsere Mägen rebellierten. Doch nach und nach gewöhnte sich das Gleichgewichtsorgan an diese Bedingungen. Eine Winddrehung erlaubte es, dass wir mit ablandigem Wind näher an der Küste segelten, was auch weniger Seegang bedeutete.
d.haller