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Gespeichert von d.haller am

 

Die schnelle Reise von La Rochelle nach Kopenhagen mit der Tres Hombres endet mit viel Hafenzeit. Das ermöglicht einen Besuch bei der Hawila im Hafen von Holbaek, einem von der Tres Hombres inspirierten Frachtsegelprojekt, das jedoch vieles etwas anders machen will. 

Mit einer gelben Plane abgedeckt liegt der Rumpf an der Pier: «Welcome on Board of the Hawila». Eine grob zusammengenagelte Gangway führt ins Innere. Die Spanten des zukünftigen Decks sind mit Platten ausgelegt, damit die Besucher sich sicher bewegen können. Der Blick in den zukünftigen Frachtraum zeigt: Da wird nicht nur gearbeitet, sondern auch informiert. Schautafeln erläutern die Geschichte des Schiffs. 1934 für den Handel mit Eis aus Norwegen gebaut, wurde es mehrfach aufgegeben, von jeweils entdeckt und mit viel Aufwand gerettet.

Der aktuelle Umbau ist der gründlichste. Das Unterwasserschiff ist bereits neu beplankt, die meisten Spanten und das Kielschwein sind ersetzt. Alles in Freiwilligenarbeit. Wer hier mit am Werk ist, muss immer zwischendurch wieder einem Brotjob nachgehen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. «Hätten wir die Finanzen, könnten wir in einem Jahr fertig sein», erklärt Samuel. Caroline ergänzt: «Wir könnten wohl von grossen Reedereien schnell Geld bekommen, welche die Hawila dann für ihr Image und Greenwashing benutzen würden. Doch wir wollen unsere Seele nicht verkaufen.»

Also verkauft der kleine Trupp IdealistInnen Anteilscheine oder zukünftige Segeltage und sucht weitere kleine Einnahmequellen, um das Geld für seine Ziele zusammenzukratzen.


Erweitertes Geschäftsmodell

Von der Pier dröhnt laute Musik. Das Hafenfest in Holbaek reiht sich ein in die dominante Konsumkultur. «Von dieser müssen wir wegkommen», betont Samuel. «Wir wollen den Menschen, die in Zukunft wieder an Bord kommen, das Erlebnis vermitteln, dass das Glück nicht im Überkonsum liegt, sondern dass man mit den beschränkten Ressourcen an Bord positive Gefühle und gute Kontakte entwickeln kann.»

Inspiriert ist das Projekt Hawila von der Tres Hombres. Das betont er mehrmals. Doch wird Hawila keine Kopie. «Wir sind von der Idee abgekommen, die Maschine auszubauen, die noch gut im Schuss ist», erklärt Samuel. Allerdings werde man nur zwei kleine Tanks einbauen, so dass nur wenig Treibstoff an Bord ist, der für kaum mehr als Hafenmanöver reicht. Der eine Tank wird Biodiesel enthalten. Der andere fossilen Diesel. «Das ist eine aus Sicht des Klimas unverständliche Vorschrift.» Man werde jeweils zuerst auf den Biosprit zugreifen.

Beruflich arbeitet Samuel als Entwickler für Schiffssysteme. Für Hawila hat er die Organisation, die Administration und das Fundraising im Hintergrund übernommen. «Ich bin ein Low-Tech-Fan. Das alte Wissen müssen wir unbedingt erhalten, aber in Kombination mit neuer Technologie.» So werde ein Propeller während der Fahrt unter Segeln einen Generator antreiben. «Es gibt viele Secondhand-Tesla-Motoren. Einen könnten wir später in Ergänzung der Dieselmaschine nutzen.» Der verfügbare Strom soll auch Trinkwasser-Aufbereitung und Kühlschrank ermöglichen. Selbst für eine Warmwasserdusche könnte es reichen – ganz im Gegensatz zur Tres Hombres, wo die Eimerdusche mit kaltem Seewasser auf dem Vordeck bei kaltem Wetter halt unterbleibt. «Wir wollen nicht null-Komfort wie bei unserem Vorbild. Das ist für viele zu hart. Wir wollen näher an die Mitte der Gesellschaft – etwas weniger Nische.»

Transatlantik-Resien sind nicht vorgesehen. «Wir könnten die Fracht der Tres Hombres und der Avontuur an der Westküste Europas für die Verteilung in Nordeuropa übernehmen. Dann wären pro Saison mehr Fahrten auf dem Atlantik möglich.» Und die aufreibende Passage durch den dichten Verkehr im Ärmelkanal würde für die Transatlantikschiffe wegfallen. Doch alleine auf den Segeltransport will sich Hawila nicht verlassen. Wegklappbare Kojen im Frachtraum sollen Fahrten und Unterricht mit SchülerInnen oder auch mit Chartergästen ermöglichen. In der Tat fährt beispielsweise die Tres Hombres zwar Wein von Westfrankreich oder Spanien nach Dänemark, aber in umgekehrter Richtung bleibt der Laderaum leer. Das ist allerdings ein allgemeines Problem der Seefahrt: Zwischen 30 und 40 Prozent der Container werden leer herumgeschippert.

 

Kinder können das Kalfatern üben

Immer wieder kommen Gäste über die Gangway. Darunter UnterstützerInnen und FreundInnen das Projekts. Im zukünftigen Laderaum hat die Crew ein paar Planken zusammengeschraubt. Kinder und auch Erwachsene können mit Kalfateisen und Hammer Werg in die Fugen treiben, ein bisschen am Handwerk des traditionellen Holzschiffsbaus schnuppern. 

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Besucher üben das Kalfatern im Rumpf der Hawila

Im zukünftigen Laderaum können BesucherInnen den Umgang mit Kalfateisen  und Kalfathammer kennen lernen. 

Aussenbords sind zwei Arbeitsflösse festgemacht, von denen aus der Rumpf über der Wasserlinie mit Eiche geplankt wird. Das Holz stammt aus einer Plantage, die der König im frühen 19. Jahrhundert hatte anlegen lassen, nachdem Dänemark seine ganze Flotte an die britische Armada verloren hatte. Die Stämme sind lang und gerade, was bei natürlich gewachsenen Eichen oft nicht der Fall ist. Nachdem die Bäume nun reif wären, baut man keine Holzschiffe mehr, und das wertvoll seltene Holz wird auf Containerlänge zersägt und für den Möbelbau nach China geschickt. «Jammerschade», kommentiert Samuel. Doch immerhin 15 Eichen kann Hawila dem ursprünglichen Zweck zuführen.

Als Laie steht man im leere Rumpf, in dem über der Wasserlinie noch Lücken klaffen. Vom Innenausbau ist noch nichts zu sehen. Fertig in zwei Jahren? «Was jetzt kommt, wird viel einfacher als was wir bisher geschafft haben. Der Innenausbau ist gewöhnliche Zimmermannsarbeit.» Trotzdem: Seit Jahren spricht man davon, in zwei Jahren fertig zu werden. Immer wieder klemmen die Finanzen. «Doch Aufgeben ist kein Thema. Dafür haben wir bereits zu viel Kraft, Energie und Geld investiert...»

… und die Seele nicht verkauft.

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