Den Ärmelkanal überquert man per Flugzeug, im Eisembahntunnel oder auf einer Fähre. Auf dieser dauert die Fahrt für die 25 Seemeilen zwischen Calais und Dover rund zwei Stunden. Insgesamt sind elf Fähren in Betrieb von denen jede mehrere Fahrten pro Tag macht. Eine Studie der Nichtregierungsorganisation Transport & Environment (T&E) zeigt: Dabei stossen sie pro Jahr 292 000 Tonnen CO2 aus. Calais-Dover ist damit die zweit-klimaschädlichste Fährverbindung Europas. Und das ist nicht die einzige Fährverbindung zwischen den Britischen Inseln und dem Festland. So steuern die fünf Schiffe, die zwischen Dover und Dünkirchen unterwegs sind, weitere 99 000 Tonnen CO2 zur Klimakrise bei (Klann et al., 2026). T&E stellt fest, dass die europäischen Fähren gleich viel Treibhausgase ausstossen wie 6,6 Millionen PKWs. In vielen Hafenstädten sei die Umweltbelastung durch die Fähren grösser als durch die Autos. Sechs von zehn Fähren könnte man auf Elektroantrieb umstellen, was nicht nur der Umwelt zugute käme, sondern sich auch wirtschaftlich rechnen würde (T&E 2026).
Die See bewusst wahrnehmen
Einen anderen Weg schlägt Saillink ein: Mit dem 17 Meter langen Katamaran «Echoes» bietet das Schweizerisch-Britische Startup eine Segel-Fährverbindung zwischen Boulogne sur Mer und Dover an. «2025, in unserem ersten Betriebsjahr machten wir 76 Überfahrten und transportierten 465 Personen», berichtet Mitgründer Andrew Simons. Der Umweltwissenschaftler und Bootsbauer – er hat an der «Tres Hombres» viele Planken ausgewechselt – peilt für 2026 doppelt so viele Überfahrten an. Saisonbeginn ist am 6. April. Zwischen der Normandie und Sussex will Saillink eine zweite Linie einrichten. «Für Testfahrten werden wir in diesem Jahr teilweise das Boot von der bestehenden Linie abziehen und Testfahrten auf der neuen Linie unternehmen, bevor wir dafür ein zweites Schiff kaufen.»
Über 30 Prozent der Passagiere hatten ihr Velo dabei. Saillink-Mitgründerin Stephanie Stotz ist in der Stadt Bern in die Planung der Fahrradstrassen engagiert. «Es geht nicht nur um Transport», schreibt Saillink auf ihrer Website. «Es ist ein Statement. Eine Möglichkeit, unseren Reisen wieder einen Sinn zu geben, uns wieder mit der Natur zu verbinden und unsere Auswirkungen zu reduzieren, während wir gleichzeitig nachhaltigen Transport neu erfinden.» An Bord sind die Gäste willkommen, aktiv mitzusegeln: Das Ruder zu übernehmen oder beim Trim der Segel mit anzupacken. Die professionelle Crew besteht aus zwei Personen und wird jeweils für die Segelsaison angestellt.
Ganz CO2-frei ist auch Saillink nicht. 31 Prozent der Zeit liefen 2025 auch die beiden Motoren. «Damit wir bei wenig Wind rechtzeitig ankommen, wenn unsere Gäste eine bestimmte Verbindung erreichen müssen, und für die Hafenmanöver», erklärt Andrew. Ein wichtiger Unterschied zu den Fähren: Saillink stellt die Motoren ab, wenn die «Echoes» die Pier erreicht hat. Die grossen Fähren lassen dagegen ihre Motoren auch im Hafen laufen. «In Dover wären die Fähren bereit, stattdessen sich an Landstrom anzuschliessen, aber der Hafen bietet nicht die nötige Infrastruktur», berichtet Andrew. «In Portsmouth dagegen sind im Hafen die nötigen Anschlüsse vorhanden, aber die Reederei scheut die Investitionskosten an Bord.»
Mitfinanziert hat ein kleiner Kreis von InvestorInnen und UnterstützerInnen das Startup. Damit des wirtschaftlich funktioniert hat sich Saillink auf beiden Seiten des Kanals als Institution verankert, bevor das Schiff – Kapazität zwölf PassagierInnen – in See stechen konnte. Unter anderem mussten Hafen- und Grenzschutz-Behörden gewonnen werden, damit die Passkontrolle auf beiden Seiten unbürokratisch auf der Pier stattfinden kann. Und die Website hält gastronomische und touristische Tipps für Wanderungen bereit.
Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, indem Saillink Meeresdaten sammelt. Und in Zukunft soll auch die Möglichkeit, bis zu einer Tonne Fracht zu laden, stärker genutzt werden.
Quellen
Transport & Environment T&E (2026): Ferry Pollution Worse than Cars in Many European Port Cities. https://cleantechnica.com/2026/03/03/ferry-pollution-worse-than-cars-in-many-european-port-cities/
Felix Klann, Leo Tricaud (2026): Full Charge ahead : Investigating the potential to electrify Europe’s ferries. Transport & Environment T&E, https://www.transportenvironment.org/uploads/files/FINAL_LOCKED_202602_Ferry-techno-eco_report-1-1.pdf