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Die Kraft des Windes in Fahrt umsetzen – dies ist die Aufgabe der Segel. Wie diese an den Masten angeordnet sind, hängt – wie auch die Form des Rumpfes – von vielen Faktoren ab: Will man möglichst schnell nch vor der Konkurrenz im Hafen ankommen, um – wie bei den Neufundland-Schonern – den besten Preis für die Fische zu erzielen? Oder fährt man in stürmischen Gewässern, wie die Klipper, welche im 19. Jahrhundert um die Südspitze Südamerikas, das Kap Hoorn, herum die Ostküste der USA mit Kalifornien an der Westküste verbanden? Wie viel Mannschaft will der Reeder bezahlen?

Da viele heutige Frachtsegelprojekte auf bereits bestehende Schiffe zurückgreifen, sind solche Überlegungen weniger entscheidend: Man nimmt, was auf dem Schiff bereits vorhanden ist. Das ist in der Regel eine gute Wahl, denn ebenso wie mit dem Ruder steuert man mit den Segeln. Da lohnt es sich, bereits Bewährtes erst einmal zu belassen. ­

Ketsch

Die Ketsch ist ein Zweimaster, bei dem der hintere Mast kürzer ist als der vordere. Das Grossegel ist also am vorderen Mast. Das hintere nennt sich Besan. Die Ketsch trägt an beiden Masten Schratsegel, was auf Am-Wind-Kursen und beim Wenden vorteilhaft ist.

Die Kwai (heute Tarmelu) ist ein zum Segelschiff umgebautes Motorschiff. Man konnte also die Form des Riggs frei wählen. Vermutlich spielte eine Rolle, dass man für die Versorgung von Pazifikinseln ein Rigg wollte, das möglichst einfach zu bedienen ist. Auch die Hawila ist eine Ketsch, wie auch die die Lun II der Frères de la Côte.

 

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Lun II der Frères de la Côte

Lun II

 

Schoner 

Der Schoner ist mindestens ein Zweimaster, bei dem der hintere Mast gleich hoch oder höher ist als der vordere. Das hintere Segel ist das Grosssegel, der vordere Mast trägt das Schonersegel. An der Ostküste der USA gab es im 19. Jahrhundert Schoner mit bis zu sieben Masten. Auf einem Kurs vor dem Wind ist ein solches Schiff mit den vielen Schratsegeln gegenüber einem Klipper mit Rahsegeln im Nachteil, da die hinteren Segel die vorderen abdecken. Auf Am-Wind-Kurs sind die grossen Segelflächen ein Vorteil, erfordern aber viel Kraft, um sie bei auffrischendem Wind zu kontrollieren und zu reffen.

Die Avontuur der deutschen Reederei Timbercoast ist ein typischer Schoner. Die Gallant wurde 1916 als Fischerboot gebaut und zuerst als Ketsch getakelt. Später wurde sie zum Schoner umgeriggt. Sie war bereits ein Schoner, als sie von der Blue Schooner Company zum Frachtschiff umgenutzt wurde. Sie sank am 21. Mai 2024 in einer Tropischen Superzelle südlich der Bahamas, nachdem sie bereits 13 Mal den Atlantik überquert hatte.

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Apollonia auf dem Hudson River

Die Apollonia ist ein Schoner, der entlang dem Hudson River Bio- und Kleinhandwerksprodukte einsammelt und nach New York City transportiert.

 

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Garin dew Sail II

Die "Grain de Sail II" der Bretonischen Kaffee- und Schokolade.Manufaktur Grain des Sail wirkt mit ihren dreieckigen Bermudasegeln an Gross- und Schonermast wie eine Yacht. Um von Frankreich nach New York zu segeln nutzt sie nicht den Nordost-Passat im Süden, sondern fährt eine direkte Route, auf der oft mit Westwind zu rechnen ist. Da ist auf dem Am-Wind-Kurs die aus der Yacht-Branche stammende Technik von Vorteil.

 

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TOWT Anemos als Schoner

Die 80-Meter-Schiffe von TransOceanic Wind Transport TOWT sind ebenfalls als Schoner konzipiert, wobei praktisch zwei riesige Yacht-Bermudariggs hintereinander gestellt sind.

 

Schonerbrigg (Brigantine) 

Die Schonerbrigg kombiniert am Grossmast die Vorteilen der Schratsegel mit den Rahsegeln am Fockmast. Die Tres Hombres ist eine Schonerbrigg, und auch die Brigantes, die auf Sizilien zum Frachtschiff zurückgebaut wird, soll ein Schonerbrigg-Rigg bekommen.

 

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Tres Hombres ganzes Rigg

Am vorderen Mast (Fockmast) führt die Tres Hombres vier Rahsegel. Von unten nach oben: Fock, Marssegel, Bramsegel, Royal). Am hinteren Mast (Grossmast) fährt sie unten ein Gaffelsegel als Grosssegel, darüber das Gaffel-Topsegel.  

 

Dreimast-Topsegel-Schoner 

Die Ceiba, die im Mangroven-Dschungel von Costa Rica gebaut wird, soll ein Dreimast-Topsegelschoner werden. Das heisst, an den beiden hinteren Masten bekommt sie Gaffelsegel. Am vordersten Mast (Fockmast) fährt ein Topsegelschoner im unteren Teil ein Gaffelsegel, darüber an den Stengen wird dies ergänzt mit Rahsegeln (s. Segelriss als Hauptbild dieses Artikels).

Auch die Vega ist als Topsegelschoner getakelt. 

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Vega Gamleby

Der Topsegel-Schoner Vega sollte Kaffee von der Karibik in die USA transportieren. Die Versicherungsgesellschaften lehnten es aber ab, das Schiff zu versichern, dabei war es in einem grund-überholten Zustand, in dem es sogar für Passagierfahrten zugelassen wäre. In der Frachtsegel-Szene hält sich die Ansicht, dass "künstliche Intelligenz" die Versicherungsanträge bearbeite. Und weil diese "Intelligenz" einfach wiederkäut, was es im Internet schon massenhaft gibt – und Frachtransport mit hundertjährigen Holzschiffen eben wenig vorkommt – wird halt abgelehnt.... 

 

Dreimast-Vollschiff 

Die Genossenschaft Ecoclipper plante den "Ecoclipper 500" als Dreimast-Vollschiff. Ein Vollschiff trägt an allen Masten Rahsegel. 

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Segelriss Ecoclipper

Grundlage für den geplanten Neubau aus Stahl war der niederländische Klipper "Noach". Dieser wurde ursprünglich 1857 in Kinderdijk gebaut. Noach gilt als das schnellste niederländische Segelschiff aller Zeiten. Mit Software des 21. Jahrhunderts wurde untersucht, ob die Pläne bezüglich Geschwindigkeit und Fracht-Kapazität angepasst werden sollten. Ergebnis: Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts haben sie den optimalen Kompromiss gefunden. Erfahrungswissen! Der Bau des Ecoclipper 500 scheiterte jedoch an der Finanzierung.
 

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