Transformation & Zukunft
Die notwendigen radikalen Veränderungen müssen im Rahmen einer erweiterten Demokratie ausgehandelt werden. An Ideen, in welche Richtung diese gehen könnten, mangelt es nicht.
Ohne Transformation keine Lösung
Schuldenbremse, Schwarze Null: An solchen Fragen zerbrach in Deutschland eine Regierungskoalition, in der Schweiz und auch in anderen Ländern streitet die Politik heftig darüber. «Wir dürfen den nachkommenden Generationen nicht einen Schuldenberg hinterlassen», wird dann oft argumentiert.
Der fürsorgliche Gedanke an die kommenden Generationen ist gut. Aber der Gegenstand, an dem er diskutiert wird, ist falsch: Geld ist eine flexible Ressource, denn Geld wird von Banken durch Kreditvergabe erzeugt. Die Ressourcen des Planeten dagegen sind begrenzt. Unflexibel und einmalig. Wenn man in den reichen Ländern weiterhin so verschwenderisch lebt, als hätten wir drei Erden, dann hinterlassen wir den kommenden Generationen nicht finanzielle Schulden, sondern einen geplünderten, in weiten Teilen unbewohnbaren Planeten.
Aus ökologischer Sicht wird deshalb oft gefordert, mehr Geld für Massnahmen gegen die Klimaerhitzung auszugeben. Das ist nicht falsch, reicht aber nicht. Vielmehr ist weit über die technischen Massnahmen zur Dekarbonisierung eine tiefgreifende Transformation der Wirtschaft, der Kultur und der Gesellschaft nötig.
Bezüglich der Meere heisst das: Durch neue, kohlenstofffreie Treibstoffe und die direkte Nutzung des Winds die Emissionen der Schiffe zu reduzieren ist Aufgabe der Schifffahrtsindustrie. Der wesentliche Teil der Lösung, nämlich darüber zu entscheiden, wie viel und was transportiert wird – und auf welche Transporte wir verzichten – erfordert dagegen einen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Prozess sowie eine grosse Masse individueller Konsumentscheide.
Das ist unbequem und schwierig, aber notwendig. Dies zeigt der Text über die Kipppunkte von Annette Schlemm (nur auf Deutsch), die zu überschreiten wir unbedingt verhindern müssen – nicht zuletzt zum Wohl unserer Nachfahren.
Hier können wir keine abschliessende Information bieten, wie ein sozial gerechtes und planetentaugliches System aussehen soll. Vielmehr bieten wir skizzenhaft eine Auswahl an Texten.
Der Text über die Kipppunkte der Physikerin und Philosophin Annette Schlemm (nur auf Deutsch) zeigt auf, welche Gefahren sich aus dem «Weiter-so» ergeben. Das Frachtsegelprojekt Ecocliper hat aufgelistet, wie der Transport unter Segeln die Nachhaltigkeitsziele der UNO unterstützt. Mit dem Bild der Donut-Ökonomie wird eine Wirtschaft des 21. Jahrhunderts skizziert. Mit Earth for all macht der Club of Rome Vorschläge. Und der Wachstumskritiker Niko Paech zeigt in Interviews, welche das Frachtsegelprojekt Brigantes geführt hat, was er vom Transport unter Segeln hält.
Bei all den verschiedenen Perspektiven kommen die AutorInnen in einigen Punkten zum gleichen Schluss: Die Klimakrise ist im Wesentlichen auch eine soziale Krise. Armut muss überwunden und Ungleichheit abgebaut werden.
Es geht nicht darum, Vorschläge eins zu eins zu übernehmen: Transformation erfordert auch Widerspruch und eigenes Denken. Und eine gute, auf Fakten beruhende Diskussionskultur.