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Seit Jahren steht die Menschheit in den reichen Ländern vor der Alternative, entweder selber und bewusst Wachstum, Energie- und Materialverbrauch auf ein nicht-verschwenderisches Mass zurückzuschrauben. Oder aber ein verrückt gewordenes Klima erledigt das in unkontrollierbarer und katastrophaler Weise. Gemäss Kohei Saito haben wir die zweite Variante gewählt: «Ich sage es ganz unverblümt: Wir stehen sprichwörtlich am Rande des Abgrunds, der zu unserer Auslöschung führen wird», schreibt der japanische Philosoph im Kapitel «Die Ära des Klimakollapses und die permanente Mangelwirtschaft». Die «Prämissen der modernen Gesellschaft – wie etwa Wohlstand, Wachstum und Fortschritt» gerieten «stark ins Wanken. (...) An der Stelle solcher fundamentaler Wertvorstellungen der Moderne tritt die Ideologie der ‹auserwählten Elite› ihren Siegeszug an.» Angesichts von Naturkatastrophen und Hungersnöten – Dürren, Überschwemmungen, Missernten – würden Stagnation, Mangel und der Kampf die knappen Ressourcen zur Norm werden. Das Vorwort betitelt er mit «Die Zukunft heisst Faschismus!»

Faschismus-Gefahr durch Kampf um knappe Ressourcen

«Na ja», mögen viele denken. «Weltuntergangs-Panik und die verbale Keule des Faschismus-Vorwurfs...» Doch so einfach wegwischen lässt sich Kaitos Analyse nicht. Bereits vor über 20 Jahren schrieb der amerikanische Historiker Chris H. Lewis: «Die auffälligsten dieser strukturellen Widersprüche, die die globale Industriegesellschaft zerreissen, sind die zunehmende Zerstörung der Umwelt, die anwachsende Armut und Ungleichheit zwischen den Ländern der Ersten und der Dritten Welt sowie die zunehmende Bedrohung von (...) demokratischen Regierungsformen.» (Wallimann et al., 2003, S. 60). «Es ist tragisch, dass der unerbittliche Kampf der industriellen Welt um die Eroberung und Unterwerfung der Erde im Namen das Fortschritts diesem Planeten Zusammenbruch und Ruin bringen wird.» (Wallimann et al., S. 64) Der Religionswissenschaftler Dobkowski und der Soziologe Wallimann fragten im gleich Sammelband: «Wie wahrscheinlich ist es, dass faschistische und andere autoritäre politische Systeme an die Macht gelangen, um mit der Knappheit fertig zu werden und gleichzeitig Klassenbeziehungen zu wahren? Wie viele Menschenleben könnte es kosten, wenn die Verteilung der Knappheit dem Markt oder einer autoritären und faschistischen Politik überlassen bliebe?»

Nicht zuletzt sei der Essay von Naomi Klein und Astra Taylor über den Aufstieg des Endzeit-Faschismus erwähnt: Bei diesem geht es nicht um eine goldene Zukunft für ein angebliches Herrenvolk. Sondern um den Egoismus einer selbsternannten Elite, beispielsweise aus dem Kreis der libertären Tech-Milliardären im Umfeld der aktuellen US-Regierung. Eine Klasse von Überreichen stösst mit ihrer Gier die Lebensgrundlagen des Planeten in den Abgrund und baut sich vorher ihre abgeschotteten Überlebens-Refugien. Was dabei mit der Mehrheit der Menschheit geschieht, ist ihr egal. (Klein et al., 2025) Demokratie ist dabei nur hinderlich.

Bezüglich Zusammenbruch analysiert das Wirtschaftsberaterunternehmen Oxford Economics: Bei einer Klimaerwärmung von 2,2 Grad bis 2050 werde die globale Wirtschaftsleistung um 10 bis 20 Prozent einbrechen. «Ein Temperaturanstieg um bis zu 5 °C bis zum Jahr 2100 würde zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch führen, was mit wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Schwellenwerten für Massensterben übereinstimmt.» (Winter et al; 2022) 

«Dunkler Sozialismus» als Mangelverwaltung

Diese erwähnten Beispiele zeigen: Saitos schroffe Zustandsbeschreibung ist nicht aus der Luft gegriffen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres fasst zusammen: «Die Menschheit hat das Tor zur Hölle aufgestossen.» Angesichts des Scheiterns des Klimaabkommens von Paris – die Klimakatastrophe hat Fahrt aufgenommen – schlägt Saito als Lösung einen «Dunklen Sozialismus» vor: Es geht nicht mehr um das Versprechen einer besseren Zukunft, nicht um eine linke Utopie, sondern ums Überleben, um die soziale Verwaltung des Mangels angesichts des zerstörten Gleichgewichts der planetaren Lebensgrundlagen. 

Saito grenzt sich deutlich ab vom dysfunktional bürokratischen Sozialismus sowjetischer Prägung. Er setzt sich eingehend mit Friedrich August von Hayek auseinander. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger hatte geschrieben, dass Planwirtschaft zur Despotie führe. Das «implizite Wissen» in der Gesellschaft sei zu komplex als dass eine zentrale Planungsbehörde auf all diese Informationen Zugriff hätte. Deshalb plane sie an den realen Bedürfnissen vorbei. Hayek vertrat die Auffassung, dass der freie Markt ein besseres Abbild der Verhältnisse liefere und deshalb der Planwirtschaft überlegen sei.

Der Markt funktioniert über den Mechanismus der Preise. Dies sei ein viel zu einfaches Informationssystem, kritisiert Saito. In der Tat: Vitale Bedürfnisse, wie beispielsweise das Menschenrecht auf eine Zukunft in einer gesunden Umwelt, werden in den Preisen nicht abgebildet. Saito stimmt zwar Hayek bezüglich der Dysfunktionalität einer zentralen Planungsbürokratie zu. Doch angesichts der ökologischen Katastrophe, in welche uns die kapitalistische Marktgläubigkeit stürzt, schlägt er eine demokratische Planwirtschaft vor. Also kein autoritäres System, sondern eine radikale Erweiterung der Demokratie auf die Wirtschaft.

Der Weg dahin führe über eine «Diktatur der Ökologie». Per Diktatur zur Demokratie? Saito erläutert, dass damit nicht ein Diktator gemeint ist, der sich mit Repression gewaltsam an der Macht hält. Vielmehr sei im antiken Rom der Diktator jeweils gewählt worden, um durch einen Krieg oder ein Krise zu führen. War diese bewältigt, wurde er seines Amtes wieder enthoben. Also eine Rolle ähnlich wie die des Kapitäns auf einem Schiff. Kommt ein Sturm auf, kann man nicht eine Vollversammlung der Mannschaft einberufen, um zu entscheiden, welche Segel geborgen werden oder wie der Kurs angepasst wird. Vielmehr entscheidet der Kapitän.

So habe auch Marx die Diktatur des Proletariats nur als Übergangsphase gesehen. Die heutige Realität erfordert aber gemäss Saito wichtige theoretische Änderungen: «Marx’ Vorstellung einer konfliktfreien Gesellschaft, die uns nach der Diktatur des Proletariats erwartet, muss aufgegeben werden, da wir bereits inmitten einer permanenten Krise feststecken. Der Traum einer zukünftigen Utopie ist geplatzt, als Folge werden gesellschaftliche Konflikte halbpermanent.» (Saito 2026, S. 237) Als Träger der Diktatur der Ökologie sieht Saito weniger die Arbeiterklasse, sondern die «Leidtragenden der Umweltkrise».

Entsprechendes Völkerrecht gibt es bereits

Was Saito nicht schreibt: Die Diktatur der Ökologie müsste bereits heute bestehendes Recht durchsetzen. So hält ein einstimmig beschlossenes Gutachten des Internationalen Seegerichtshofs fest, die Emission von Treibhausgasen sei Meeresverschmutzung. Und diese ist gemäss UN-Seerechtsübereinkommen verboten. In der Konsequenz heisst das: Jeder Liter verbrannter fossiler Treibstoff macht nicht nur 30 Kubikmeter Wasser für Fische unbewohnbar (persönliche Mitteilung von Prof. Andreas Oschlies, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, Kiel), sondern ist auch eine Völkerrechtsverletzung.

Noch weiter geht das ebenfalls einstimmig beschlossene Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag: Eine intakte Umwelt ist ein Menschenrecht, da sie die Voraussetzung dafür ist, die anderen Menschenrechte wahrzunehmen. Massnahmen gegen den Klimawandel sind nicht eine freiwillige politische Entscheidung, sondern eine völkerrechtliche, vor Gericht einklagbare Pflicht.

Nicht zuletzt ist Ökologie per se undemokratisch: Das komplexe Zusammenspiel biologischer, chemischer und physikalischer Prozesse ist fix gegeben. Menschen können nicht darüber entscheiden, wie die Naturgesetze aussehen sollen. Sie können nur darüber befinden, wie sie sich zu den Naturgesetzen verhalten wollen. Beispielsweise ob sie aus Gründen des Profits und der Bequemlichkeit fossile Treibstoffe verbrennen und damit scheinbar die Natur beherrschen. Die Diktatur der Ökologie muss also einem Menschenrechts-gerechten Umgang mit den «diktatorischen» Naturgesetzen zum Durchbruch verhelfen.

Die beiden Gutachten des Seegerichtshofs und des höchsten Gerichts der UNO kamen zustande auf Initiative von Vanuatu und weiterer Inselstaaten, die vom steigenden Meeresspiegel und Stürmen infolge des Klimawandels akut bedroht sind, also – in den Worten von Saito – von «Leidtragenden der Umweltkrise». Vanuatus Vorschlag einer Resolution der UN-Vollversammlung, das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs ausdrücklich zu begrüssen fand trotz heftiger Reaktion der USA in der UN-Vollversammlung die Zustimmung von 134 Staaten. Dagegen stimmten acht Staaten: USA, Iran und Israel, Liberia, Russland und Belarus, Saudi-Arabien und Jemen. Also Fossilprofit-Staaten und deren Verbündete, in denen entweder Diktaturen an der Macht sind oder die aktuelle Regierung autoritäre Züge aufweist.

Das Ziel ist klar, doch wo ist der Weg?

Wir haben also ein Völkerrecht und eine UN-Resolution gegen die Klimakatastrophe. Doch was tun, damit das nicht totes Papier bleibt? Auf völkerrechtlicher Ebene ist das Ziel beschlossen, doch der Weg dahin fehlt. Saito schlägt also die Diktatur der Ökologie vor. Diese gab es jedoch noch nie. Er greift deshalb – als Marxforscher naheliegend – unter anderem zurück auf Erfahrungen mit der Diktatur des Proletariats. Dies ausdrücklich nicht im real-bürokratischen Sinn der untergegangenen Sowjetunion. Keine Verstaatlichung, sondern Vergesellschaftung der Wirtschaft: Rückeroberung der im Kapitalismus privatisierten Allmende, der Commons wie beispielsweise im «Roten Wien» (1918–1934).

Als Denkanstösse nennt er unter anderem die sozialrevolutionären Massnahmen der Pariser Kommune (1871). Weiter geht er auf das Verbot neuer Gas- und Öl-Förderanlagen durch die kolumbianische Regierung von Gustavo Petro, die partizipative Entwicklungsplanung in Ecuador unter der Regierung von Rafael Correa, die «neben Bottom-up-Prozessen auch staatliche Top-down-Massnahmen» (Saito 2026, S. 275) enthielt. Diese wurden allerdings durch nachfolgende Regierungen wieder abgeschafft.

Hayeks Kritik, die gesellschaftlichen Bedürfnisse seien zu komplex, als dass staatliche Planung ihnen gerecht werden könnte hält er entgegen: «Angesichts der fortschreitenden Entwicklung digitaler Technologien erweitern sich die Möglichkeiten einer auf Echtzeitdatenerhebung, Feedbackmechanismen und Matching beruhenden Planung in immer mehr Bereichen» (Saito 2026, S. 299). Die «Bewältigung des Kollapses von Natur und Gesellschaft» soll also in Form eines «Marktsozialismus» erfolgen. Dies bedeute, «durch Forschung und Entwicklung einen industriellen Wandel auf die Schiene zu setzen, Schlüsselindustrien zu fördern und die soziale Infrastruktur auszubauen. Nur durch solche Eingriffe lässt sich der Verschärfung des Mangels wirksam begegnen.» (Saito 2026, S. 301) Als aktuelles Beispiel nennt er das «Rote New York», wie es vom demokratisch-sozialistischen Bürgermeister Zohran Mamdani angestrebt wird.

Ein weiteres Beispiel für ein einer Mangel-verwaltenden Wirtschaftsweise gilt die britische Kriegswirtschaft. Der Staat plante und schrieb den Unternehmen vor, was sie produzieren sollen. Diese blieben jedoch in privater Hand. Durch strikte Rationierung wurde dafür gesorgt, dass alle gleich viel zu Essen hatten, was die Ernährung der Unterschicht sogar verbesserte. (vgl. Herrmann 2023). Saito spricht von einer «sozialistische Version der grünen Kriegswirtschaft».

Zentrale Rolle des Drucks von unten

Mamdani kam in New York ins Amt, weil er getragen wurde von einer breiten Graswurzelbewegung, die sich unter anderem gegen das finanzstarke Establishment der Demokratischen Partei durchsetzte. Da wird die zentrale Rolle der Zivilgesellschaft deutlich. Wenn Saito die Rekommunalisierung der Wasserversorgung der Stadt Paris als positives Beispiel anführt, muss man jedoch feststellen, dass in der Schweiz Wasser und Stromversorgung in der Regel in der Hand von Gemeinden oder Kantonen liegt. Ich habe als Journalist mehrfach Delegiertenversammlungen von Stromversorger-Genossenschaften besucht ohne auch nur einen Hauch von wie auch immer geartetem ökologischem Sozialismus zu spüren.

Im Gegenteil: Unter anderem durch Schifffahrtsindustrie, Kreditvergaben der Banken und Rohstoffhandel ist die kapitalistisch organisierte Schweizer Wirtschaft massiv an der Klimakatastrophe beteiligt. Eine Studie von McKinsey kommt zum Schluss: «Wir schätzen, dass die Schweiz durch hier ansässige internationale Unternehmen mittels direkt kontrollierte und importbedingte Emissionen einen Einfluss auf das 7- bis 10-fache der Inlandemissionen hat, bzw. noch deutlich mehr, wenn man den gesamten Einflussbereich inklusive Wertschöpfungsketten berücksichtigt. Für Emissionen im Zusammenhang mit Finanzflüssen aus der Schweiz kommt nochmal ein 14- bis 18-Faches dazu beziehungsweise noch mehr, wenn man weitere Aktivitäten wie zum Beispiel Investitionen in Staatsanleihen mitberücksichtigt.» Die AutorInnen folgern: «Die Schweiz hat zumindest einen indirekten Einfluss auf geschätzt 2 bis 3 Prozent der weltweiten Emissionen, was ihre Einflusssphäre in die Grössenordnung der inländischen Emissionen von Indonesien, Japan und Brasilien setzt.» In der Fussnote kommentieren sie: «Basierend auf gesamten Treibhausgas-Emissionen, nur vier Länder (China, USA, Indien und Russland) haben höhere Emissionen.» (Wenger et al., 2022) 

Mit anderen Worten: Allein einige wichtige Commons in öffentlicher Hand garantieren noch nicht eine Wende hin zu einer sozial- und klimaverträglichen Wirtschaft, welche die planetaren Grenzen respektiert. Dafür braucht es vielmehr den Druck von unten: «Dazu müssen die widerständigen Kräfte, also soziale und Umweltbewegungen, deutlich mehr Menschen mobilisieren und Stärke gewinnen», folgert Saito.

Der Druck von unten muss von den «Leidtragenden der Umweltkrise» kommen. Dem steht aktuell im Weg, dass der Leidensdruck in den reichen Ländern des globalen Nordens abgefedert wird durch die «imperiale Lebensweise» auf Kosten der Armen im globalen Süden und der indigenen Völker. Diese hätten einiges zur Orientierung einer der Klimakrise angepassten Wirtschaft beizusteuern: Wallimann und Dobkowski halten fest, dass «Menschen, die am Rande des Existenzminimums leben müssen», dazu neigen, «alle Risiken zu minimieren, und nicht dazu, Profite und Akkumulation zu maximieren.» (Wallimann et al., 2003, S. 28, Hervorhebung im Original) In diese Richtung weist auch die UN-Umweltorganisation UNEP. So könnten «kulturelle Werte und Überzeugungen indigener Völker sowie lokaler Gemeinschaften genutzt werden, um Verhaltensweisen zu formen, Identität und Zusammenarbeit zu fördern und einen moralischen Kompass» zu schaffen. (UNEP 2025).

Zähe Strukturen, beharrliche Gewohnheiten

Gemäss Saito sind also die «Leidtragenden der Umweltkrise» die treibende Kraft für Veränderungen. Doch wer genau ist das? Beispielsweise ist die Übersterblichkeit betagter Menschen in Hitzewellen gross. In der Schweiz haben deshalb Klimaseniorinnen mit der Argumentation, sie seien besonders von den Gefahren durch den Klimawandel betroffen, ein Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs erreicht. Doch die Schweizer Mehrheitspolitik beschloss, das Urteil, man müsse mehr tun, zu ignorieren. Das Beispiel der pazifischen Inseln und der Vanuatu-Resolution in der UN-Vollversammlung zeigt ebenso den Kampf von Leidtragenden der Umweltkrise. Zu diesen gehört auch, wer sein Heim in einem Buschbrand oder einer Überschwemmung verliert. Bauern sind betroffen, deren Kühe in der Dürre auf der Alp kein Wasser und kein Futter mehr finden oder deren Pflanzen auf dem Feld verdorren. Oder Menschen, die in überhitzten Büros oder in Spitälern schmachten. Doch gehen die Forderungen eher in Richtung technischer Lösungen (Klimaanlagen, Wasser-Rückhaltebecken etc.) als dass eine Abkehr vom Wachstumszwang im Kapitalismus thematisiert würde. Und die am schlimmsten Betroffenen im globalen Süden, die zudem praktisch nichts zur Klimaerwärmung beigetragen haben, sind derart mit dem verschärften Existenzkampf ausgelastet, dass für sie ein Systemwandel kaum Alltagspriorität hat. Zudem hängen viele Jobs im globalen Süden ab von der Verschwendungswirtschaft – Beispiel Fast Fashion – im globalen Norden. Und hier spricht für viele ihr klimatisiertes Auto dafür, weiterhin mit dem Wagen zu Arbeit zu pendeln anstatt sich den Strapazen der oft ungekühlten öffentlichen Verkehrsmittel auszusetzen…

Die vom fossilen Kapitalismus geschaffenen Strukturen und Gewohnheiten erschweren es also, dass die Leidtragenden der Umweltkrise den Kapitalismus gemeinsam in Frage stellen. Umso wichtiger ist eine zivilgesellschaftlich aktive Minderheit. Ob jedoch 3,5 Prozent der Bevölkerung – wie Saito in seinem Buch «Systemsturz» schreibt – ausreichen? Hoffen wir’s! 

Trotzdem sind seine Gedankengänge zum notwendigen wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und alltagskulturellen Wandel lesens- und diskutierenswert. Denn die Frage, wie man einen sinkenden und gerecht verteilten Naturverbrauch erreicht, zwingt uns die planetenweite Umweltkrise auf. Und vor allem Saitos Ziel einer umfassenden Demokratie ist ausgesprochen sympathisch. Ob die Bezeichnung «Dunkler Sozialismus» sich jedoch als Begriff eignet, der in der politischen Diskussion mobilisierende Wirkung entfalten könnte, ist zu bezweifeln.


Quellen

Jens Beckert (2024): Verkaufte Zukunft. Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht. Bonn, Bundeszentrale für politische Bildung

Ulrike Herrmann (2023): Das Ende des Kapitalismus. Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind – und wie wir in Zukunft leben werden. Köln, Kiepenheuer und Witsch

Naomi Klein, Astra Taylor (2025): The rise of end times fascism, in The Gaurdian, 13. Apr. 2025, https://www.theguardian.com/us-news/ng-interactive/2025/apr/13/end-times-fascism-far-right-trump-musk 

Kohei Saito (2024): Systemsturz. Der Sieg der Natur über den Kapitalismus. München, dtv Verlagsgesellschaft

Kohei Saito (2026): Am Ende des Fortschritts. Überleben in den Ruinen des Kapitalismus. München, dtv Verlagsgesellschaft

Chris H. Lewis (2003): Die globale Industriegesellschaft: Der unausweichliche Zusammenbruch. in Wallimann et al. 2003

United Nations Environment Programme UNEP (2025): Global Environment Outlook 7: A future we choose – Why investing in Earth now can lead to a trillion-dollar benefit for all. Nairobi. https://wedocs.unep.org/handle/20.500.11822/49014 

Isidor Wallimann, Michael N. Dobkowski (2003): Das Zeitalter der Knappheit. Ressourcen, Konflikte, Lebenschancen. Bern, Paul Haupt

Isidor Wallimann, Michael N. Dokowski (2003): Einleitung: Das Zeitalter der Knappheit, in Wallimann et al. 2003

Felix Wenger, Marco Ziegler, Annika Wulkop, Alexander Keberle (2022): Klimastandort Schweiz, Schweizer Unternehmen als globale Treiber für Netto-Null, McKinsey & Company

David Winter, Manuela Kiehl (2022): Temperature volatility comes at a price to worldwide growth, Oxford Economics, https://www.oxfordeconomics.com/resource/temperature-volatility-comes-at-a-price-to-worldwide-growth/