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Gespeichert von d.haller am

 

Das System der entfesselten Marktwirtschaft ist von Menschen gemacht. Der Planet ist dagegen begrenzt und die Naturgesetze können wir nicht politisch beeinflussen. Das zwingt uns früher oder später zur Suffizienz: Wir müssen uns innerhalb der vorhandenen Grenzen möglichst gut einrichten. Das wirft Fragen auf – nicht zuletzt zu den Machtverhältnissen. Der in Basel lebende emeritiert Professor Isidor Wallimann formulierte einige davon bereits 1995 am Ende eines längeren Artikels:

«Der Eintritt in ein Zeitalter zunehmender Knappheit und Verkleinerung bedeutet den Eintritt in ein Zeitalter zunehmender Konflikte, die ein grosses Potenzial für Massensterben und sogar Völkermord bergen, je nachdem, durch welche Mechanismen die Knappheit auf bestimmte und nicht auf andere Gruppen ausgerichtet wird und durch welche Mechanismen Konflikte gelöst, bewältigt oder unterdrückt werden. Wenn die hier vorgebrachte Analyse richtig oder auch nur plausibel ist und wenn das Ziel darin besteht, der Menschheit zu helfen, diese enorme Herausforderung ohne oder mit nur minimalen menschlichen Verlusten zu überstehen, müssen wir uns zunehmend Fragen wie die folgenden stellen: 

1) Wie reagiert das kapitalistische System in der Regel, wenn es sich einem Null- oder Negativwachstum nähert? Durch welche wirtschaftlichen und politischen Mechanismen wird die Knappheit dann verteilt? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Faschismus und andere autoritäre politische Systeme entstehen, um mit der Knappheit umzugehen und gleichzeitig die Klassenverhältnisse zu erhalten? Wie hoch könnten die Kosten an Menschenleben sein, wenn die Verteilung der Knappheit den Märkten oder autoritären und faschistischen Politiken überlassen würde?

2) Was kann man aus dem Verhalten von Genossenschaften und anderen sozialen Organisationen der gegenseitigen Hilfe in Bezug auf das Management von Knappheit lernen?

3) Inwieweit ist die soziale und demokratische Kontrolle über die Produktionsmittel eine Voraussetzung für mehr Solidarität und eine gerechtere Verteilung von Knappheit (oder Überschuss), da selbst eine relativ perfekte weltweite Einkommensverteilung allein die weltweite Armut heute nicht annähernd beseitigen könnte und unter Bedingungen ausgeprägter weltweiter Knappheit noch weniger dazu beitragen würde, die Menschen am Leben zu erhalten?

4) Inwieweit kann eine grundlegende regionale Selbstversorgung, wenn sie mit einem demokratischen Zugang zu den Produktionsmitteln einhergeht, die Migration hemmen, die Geburtenrate senken, den Überschuss reduzieren, der von der Peripherie ins Zentrum transferiert wird, und die drohenden Engpässe bewältigen?

5) Welche Art und welches Niveau der industriellen Produktion sowie des modernen kulturellen und sozialen Lebens müssen beibehalten werden, um eine effektive und effiziente Verkleinerung zu erreichen und gleichzeitig den wachsenden Engpässen und Bedürfnissen gerecht zu werden?

6) Welche Konfliktlösungsstrategien können bei Konflikten verfolgt werden, bei denen alle Parteien etwas zu verlieren haben?»